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TopMagazin4_2012

T O P 79 mal den Schmetterlingen, den Tukanen oder den Geiern hinterher zuschauen und die Seele baumeln zu lassen, aber eigent- lich ist die Ecolodge El Cantil Nuquí eine Aktiv-Lodge: Neben Wellenreiten, Kayak- ing und Angeln bietet das Team Dschun- gelausflüge an, die sich gewaschen haben – selbst in der Softie-Variante ohne waten, kriechen und hangeln. Mit durchschnitt- lich mehr als 10.000 Millimetern Nieder- schlag pro Jahr ist Chocó nicht nur eine der feuchtesten Gegenden der Erde (eine lokale Bergprovinz hält tatsächlich den Weltrekord), sondern auch eine der arten- reichsten. Etwa acht Prozent aller Tier- und Pflanzenarten leben in den bis heute unberührten Regenwäldern – fast mag man sagen: der Guerilla sei Dank. Von bi- zarrsten Insekten über Pfeilgiftfrösche bis hin zu Leoparden reicht die Palette. Um die ganz spektakulären Vertreter von Mut- ter Natur zu treffen bedarf es natürlich eine Menge Glück oder mehr Zeit als ein gewöhnlicher Urlaub hergibt. Ohne Natur- wunder auf dem Speicherchip geht aber niemand nach Hause. Auch nicht ohne die zwischenzeitliche Abkühlung in den allge- genwärtigen Wasserfallbecken unter dem immergrünen Dach. Wer es mondäner liebt, macht sich auf den Weg zu den schwefeligen Thermalquellen im Dorf – no- men est omen – Thérmales. Tauchen mal unplugged Vierzig Bootskilometer weiter nördlich, am Eingang des Nationalparks von Utría, macht der raue Charme der offenen Küs- tengewässer Platz für ein malerisches La- byrinth aus Lavafelsen, Inseln und flachen Riffen. Endlich ruhiges Wasser. Und Son- ne. Über gut vier Kilometer zieht sich ein schlauchförmiger Miniatur-Fjord ins Lan- ter uns. Zu nah für’s Teleobjektiv. Wir trei- ben in der Mitte, und um uns herum zwölf Buckelwale. Das schnaubende Geräusch des Blas tönt so laut, dass wir hoffen, es möge keiner zum Sprung in die falsche Richtung ansetzen! Wie auf Kommando hebt sich einer der Bullen fast vollständig aus dem Wasser und klatscht mit tösen- dem Lärm auf den Rücken. In unserer Nussschale aus Aluminum schrumpfen wir zu Zwergen. Eingekreist und von Wal- fluken durchnässt, selbst der Mann am Außenborder. Längst liegt die Hand am Unterwassergehäuse – über Wasser oder unter Wasser fotografieren? Zweiteilen wäre mal was. „Du willst da rein?“, fragt Karin Krichmayr mit weit aufgerissenen Augen, „bist Du denn total irre?“ Für die Redakteurin vom Wiener „Standard“ sind es die ersten Wale überhaupt. Kaum er- wähnenswert, dass sie für den Rest ihres Lebens „versaut“ ist und das Souvenir eine Halskette mit Walfluke wird. Ein Blick ins Wasser nimmt die Entscheidung schnell ab – die grüngrauen Fluten „fressen“ die Konturen der Tiere schon nach zwei Me- tern. Und so gafft die versammelte Jounail- le sprachlos auf die tonnenschweren Hauptdarsteller eines Schauspiels, vor dem die nebelverhangene Urwaldküste zur schnöden Kulisse einer grandiosen Na- turbühne verkommt. Genauso wie der springende Marlin und die Delfine. Cha- peau! „Das war schon gut“, meint Mémo und lächelt sichtlich erleichtert über das Erfolgserlebnis. „Aber so selten ist sowas nun auch nicht, jetzt, in der Paarungszeit vergessen die Wale alles um sich herum.“ Das Bett im Dschungel Die Hängematten auf den Verandas der sieben Chalets verführen dazu, einfach desinnere hinein und geht langsam in ei- nen Mangrovensumpf über, der natürlich in bester „Apocalypse Now“-Manier mit unserer Alu-Nussschale erkundet wird. In der Mündung, so erfahre ich dabei, liege ein altes Transportboot. Und tatsächlich: Mit der Kamera im Anschlag donnere ich beinahe gegen den stählernen Bug in rund fünf Meter Tiefe. Mehr als zwei Meter reicht der Blick zwar nicht, aber inmitten der schlammigen aber nährstoffreichen Mündung ist das kleine Wrack eine Oase, die von dichten Wänden aus Fischschwär- men eingeschlossen ist. Getoppt wird Schwierig zu toppen ist ein vorgelagertes Inselchen, das den einzigen weißen Sand- strand der Region beherbegt. Der hört mit „Playa Blanca“ zwar auf einen unglaublich kreativ Namen, ist aber eine übersehene Werbefilm-Kulisse vom Allerfeinsten. Mit den Wellen rollen zwar in schöner Regel- mäßigkeit Baumstämme an, doch der „Schnorchelvirus“ ist stärker, die Insel

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