Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

TopMagazin4_2013

48 T O P P O R T R A I T „Den Patienten dort abzuholen, wo er gerade steht“, so verstehen die Seelsor- ger des Johanna-Etienne-Krankenhauses ihre tägliche Arbeit. Die Patienten kommen zu ihnen, wie es der Zufall gerade will. „Mal sind es die Stationsschwestern, die uns auf einen Hilfe suchenden Patienten aufmerksam machen, mal die Betroffenen selbst, die nach Seelsorge verlangen“, erklärt Pfar- rer Thomas Ant. Auf ihrem täglichen Gang durch die Stationen erleben die Seelsorger kaum eine Stunde, in der sie nicht gebraucht werden. „Zuhören, zu- hören und nochmals zuhören, viel mehr ist oft gar nicht notwendig, um die Pati- enten von ihren Ängsten und Nöten zu erleichtern“, so der Pfarrer. Geschichten, die das Leben schreibt Es sind Geschichten, die das Leben täg- lich schreibt, die den Seelsorgern hier begegnen. „Eine Frau, die ihren Mann zuhause pflegt und plötzlich selbst im Krankenbett liegt, sieht ihr größtes Pro- blem zunächst gar nicht in ihrem eige- nen Leiden, sondern vielmehr in der Komplexität der Probleme, die sich aus ihrem Krankenhausaufenthalt ergibt“, so Ant, der dann gemeinsam mit den Pati- enten nach Lösungsansätzen sucht, um Licht am Ende des Tunnels zu offenba- ren. „Völlig anders liegt die Problematik eines jungen Familienvaters auf der Pal- liativstation, der weiß, dass er bald sei- ne Frau mit drei kleinen Kindern zurück- lässt. An einer solchen Stelle ist eben manchmal auch nur das gemeinsame Aushalten der Situation angezeigt“, so Pfarrerin Susanne Schneiders-Kuban. „Insbesondere in der Phase vor der Dia- gnose sind viele Patienten sehr unruhig und suchen nach Unterstützung in die- ser ungewissen Zeit“, weiß Gemeindere- ferentin Brigitte Neuheisel. Dabei soll das Gespräch helfen, sich neu zu sortieren und Unterstützung zu erfahren. „Wir kön- nen nicht für alle Probleme Lösungen fin- den, aber wir hören den Menschen zu“, so Pfarrer Ant. Und genau daran scheint es vielen Patienten zu mangeln. Es feh- len Gesprächspartner, die einfach nur zuhören. Oft sind es auch die Angehörigen, die die Unterstützung der Seelsorger in An- spruch nehmen. „Eine Frau, deren Mann im Sterben lag, erzählte mir, dass ihr Sohn erst vor einem halben Jahr bei ei- nem schweren Verkehrsunfall ums Leben kam und sie nun bald vor dem Nichts stehe“, erinnert sich Pfarrer Ant. „Einen Menschen in einer solchen Situation kann man nicht sich selbst überlassen.“ Auf diese Weise entstehen manchmal auch Seelsorgefälle, die über viele Wo- chen und Monate begleitet werden wol- len. Schwere Schicksale und simple Beinbrüche Es sind aber nicht immer die schweren Schicksale, die einen Menschen uner- wartet aus seinem Alltag reißen, sondern auch ein simpler Beinbruch oder eine Blinddarmoperation können viele Fra- gen aufwerfen: „Was soll mir diese Krank- heit sagen, wo stehe ich gerade, in wel- che Richtung will ich weiter gehen?“ Damit die Seelsorger selbst die vielen Schicksale, mit denen sie täglich kon- frontiert werden, besser verkraften, fin- den sie sich selbst regelmäßig in Ge- sprächskreisen und Supervisionen zu- sammen. „Anders wäre es nur schwer auszuhalten“, erklärt Susanne Schnei- ders-Kuban. Das vierköpfige Seelsorge-Team des Johanna-Etienne-Krankenhauses Neuss: Thomas Ant, katholischer Pfarrer und Schwester Betha, Ordensschwester in der Seelsorge (nicht abgebildet) arbeiten hier Hand in Hand mit Susanne Schneiders-Kuban, evangelische Pfarrerin, und Brigitte Neuheisel, katholische Gemeindereferentin. Foto: Frank Elschner Den Patienten dort abholen, wo er gerade steht Die Aufnahme in ein Krankenhaus bringt meistens viel Aufregung mit sich. Aus dem alltäglichen Leben gerissen, fühlen sich viele Patienten überfordert und in einem Chaos aus Gedanken und Ängsten gefangen. In diesem Moment setzt die Arbeit der Seelsorge am Johanna-Etienne-Krankenhaus ein. Durch aktives Zuhö- ren, gemeinsames Aushalten und ein liebes Wort an der richtigen Stelle bringt sie den Patienten Entlastung und Unterstützung in Lebens- und Glaubensfragen. Darüber hinaus bieten die Seelsorger Gottesdienste an und veranstalten Foren rund um Fragen medizinischer Ethik. Seelsorge am Johanna-Etienne-Krankenhaus

Seitenübersicht