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TopMagazin4_2013

64 T O P I N T E R V I E W TOP Magazin: Sehen Sie im Unterricht in den Schulen einen Schwerpunkt der Mu- sikschule für die Zukunft? Reinhard Knoll: Der Trend geht ganz klar in diese Richtung. Sowohl Vorschul- als auch Schulkinder und Jugendliche werden zukünftig immer mehr Zeit in Ganztags- Einrichtungen verbringen. Deshalb liegt es nahe, unser Angebot dahingehend zu öff- nen. Natürlich wird es den klassischen Musik- und Instrumentalunterricht hier im Romaneum auch weiterhin geben, aber wir werden eben auch verstärkt mit Schulen und Kindergärten kooperieren. TOP Magazin: Wo sehen Sie weitere Schwerpunkte in der Zukunft? Reinhard Knoll: Die meisten Kinder wün- schen sich Abend- und Freitagstermine. Das sind Neuerungen, denen wir mit Fle- xibilität begegnen müssen, aber wir neh- men diese Herausforderung an. Hierbei kommen uns die flexiblen Räumlichkeiten des Romaneums sehr entgegen. Bele- gungsschwierigkeiten, wir wie sie vom al- ten Gebäude kannten, gibt es jetzt kaum mehr. TOP Magazin: 9000 Schüler zählt die Mu- sikschule aktuell. Welche Unterrichtsberei- che liegen im Trend? Reinhard Knoll: Gitarre ist das am stärks- ten gefragte Instrument. Das geht mit dem Boom im Bereich der Pop- und Jazzmusik einher. Wir begegnen diesem Trend mit fünf absolut schalldichten Bandräumen und einem hochmodernen Aufnahmestu- dio im Romaneum. Darüber hinaus wird sich unser Angebot in Zukunft nicht nur an Kinder und Jugendliche richten, son- dern auch verstärkt an Erwachsene, die ihr Können auffrischen oder ihre Techni- ken erweitern möchten. Aber auch die En- semblearbeit ist uns sehr wichtig. Jeder Musikschüler wird von uns bereits nach dreimonatiger Unterrichtszeit in ein En- semble oder Orchester integriert. Das för- dert die Motivation nachhaltig und eröff- net neue Möglichkeiten, Musik erlebbar werden zu lassen. TOP Magazin: Stichwort Musiktheater. Seit 1996 führt die Musikschule jährlich mindestens eine Produktion auf. Reinhard Knoll: Richtig, teilweise waren es sogar bis zu vier Produktionen in einem Jahr. Im vergangenen Jahr kam dann erst- malig auch die Kooperation mit der Alten Post dazu. Filmmusik und Musicals gehö- ren heute in die Welt unserer Schüler, so haben wir die Möglichkeit, sie dort abzu- holen, wo sie stehen. Der Musikunterricht von heute ist wesentlich vielschichter als er es vor 50 Jahren noch war. Damals stand das Instrument im Vordergrund, heute ist es der Spaß an der Musik. Und das ist gut so. TOP Magazin: Wird es den klassischen Instrumentalunterricht bald nicht mehr geben? Reinhard Knoll: Ganz im Gegenteil. Wir haben in manchen Bereichen sogar War- telisten. Und bis auf wenige Ausnahmen wie Dudelsack und Harfe bieten wir das gesamte Spektrum an. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Wir begeg- nen unseren Schülern lediglich mit einem erweiterten, zeitgerechten Konzept, das eben auch Unterricht außerhalb des Ro- maneums ermöglicht. TOP Magazin: Im Rahmen der Feierlich- keiten haben die Schüler auf dem Platz vor dem Romaneum Konzerte gespielt. Liegt hier die Zukunft, sich weiter in Richtung Öffentlichkeit zu bewegen? Reinhard Knoll: Auch wenn unsere Nach- barschaft sich als sehr unproblematisch erwiesen hat, möchten wir ihre Geduld dennoch nicht überstrapazieren. Aber das Publikum hat die Konzerte sehr gut ange- nommen, deshalb ist es durchaus vorstell- bar, hier in Zukunft stärker in Erscheinung zu treten, um uns der Öffentlichkeit zu präsentieren und als Bindeglied zwischen Stadt und Musik zu fungieren. M.W. Auch weiterhin die richtigen Töne treffen Musikschule – 50 Jahre Mensch und Musik Reinhard Knoll schließt die Fenster seines Büros. Es ist still. Der Leiter der Neusser Musik- schule möchte uns demonstrieren, wie hervorragend die Räumlichkeiten der Neusser Musik- schule im Romaneum isoliert sind. Für eine Musikschule ist dies ein besonderer Luxus, den er zu schätzen weiß. Mit einigen musikalischen Highlights feierte der Musikschuldirektor in diesem Jahr das 50-jährige Bestehen der Einrichtung. Im Gespräch verrät er uns, wohin die musikalische Reise in Zukunft führen soll. ■ Reinhard Knoll im Gespräch anläßl. der Eröffnung des Romaneums TOP Magazin: 50 Jahre Musikschule Neuss. Was erwartet uns noch in diesem Jahr? Reinhard Knoll: Natürlich haben wir in diesem Jahr eine ganze Reihe kleiner Fest- akte geplant. Doch mehr noch als der Rückblick liegt uns die Zukunft der Musik- schule am Herzen. Deshalb haben wir uns ganz bewusst entschieden, im Rahmen des Jubiläumsjahrs einen bunten Querschnitt unserer Arbeit zu zeigen. Zugunsten von Konzerten, die offen sind für alle Neusser, verzichten wir auf langatmige Festakte. Wer sich für die Geschichte der Musik- schule interessiert, kann sich hierüber in der Sparkasse einen Überblick verschaf- fen. Dort zeigen wir eine Ausstellung mit Schlaglichtern der letzten 50 Jahre. TOP Magazin: Welche Schwerpunkte se- hen Sie, wenn Sie auf die letzten 50 Jahre zurückblicken. Reinhard Knoll: Was die Musikschule immer begleitet hat, war das Singen. Schon unser Gründer Helmut Trott und dessen Nachfolger Dankwart Hallauer haben das Singen und die musikalische Früherzie- hung hochgehalten. Auch wir haben das Thema Früherziehung in den letzten Jah- ren in den Grundschulen stetig weiter ausgebaut. Mit dem Projekt „Jedem Kind seine Stimme“ erreichen wir inzwischen 100 Prozent der Neusser Grundschulkin- der. Unsere Lehrkräfte unterrichten vor Ort in den Klassen und ermöglichen den Neusser Kindern somit einen ersten Kon- takt zur Musik und ein erstes Kennenler- nen der Instrumente. Foto:Musikschule

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