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TopMagazin4_2013

ren, die wir bis zum Einbruch der Däm- merung sehen werden. „Siehst Du ihn?“, fragt Theo. Kopfschütteln. „Da drüben, neben der Wasserstelle!“ Kopfschüt- teln.... Ton in Ton mit dem graubraunen Boden verschmilzt der Drache beinahe mit dem Hintergrund: Zwei Meter lang, wohlgenährt, und genauer gesagt eine Drachendame. Kaum steht der Blickkon- takt, erheben sich schon hundert Kilo- gramm Echse als würde sich ein Muskel anspannen, der vom Kopf bis zur Schwanzspitze reicht. Sobald der Kopf in Zeitlupentempo auf Schulterhöhe hochgefahren ist, wuchtet er sich Tatze vor Tatze vorwärts und schlendert doch so federnd durch die Savanne wie es eben nur Warane können. Nach einigen Bildern mit dem Teleobjektiv zieht es uns magisch näher an das Tier heran, von dem eine eigentümliche Faszinati- on ausgeht. Selbst in diesem urwüchsi- gen Niemandsland wirken sie fremd, als seien sie von der Evolution vergessen worden. Vor der fast ebenso langen ge- gabelten Schutzstange des Rangers hat der Waran allerdings sichtlichen Respekt und trottet langsam von dannen. Mit der Kamera im Anschlag gehen wir entlang eines ausgetrockneten Bachbettes auf Parallelkurs. Was sich als fabelhafte Chance erweist bis das Tier den Kurs ändert und sich nach einem einzigen großen Satz vor uns aufbaut. Ein Fall für kontrollierten Rückzug... Einen Biss von den Tieren riskiert niemand freiwillig. Nicht nur wegen der hässlichen Fleisch- wunde, sondern weil der Speichel der Aasfresser aggressive Bakterien enthält, die Wundbrand und Blutvergiftung aus- lösen. Komodowarane jagen aus dem Hinterhalt heraus. Nach dem Biss folgen sie – wie Giftschlangen - dem Geruch ih- rer Beute über Kilometer und warten ab, bis diese entweder durch den Blutver- lust oder die Infektion verendet ist. Trotz ihrer effektiven Jagdstrategie sind die Reptilien stark bedroht: Nachdem sie einmal alle Inseln der Region bevölkert haben, kommen heute noch rund 5000 Tiere in einem Bruchteil ihres ursprüng- lichen Verbreitungsgebietes vor. Sendepause für Menschen Schätzungen zufolge gibt es drei Mal mehr Männchen als Weibchen, was das Überleben der Art in dem weitläufigen Gebiet alles andere als selbstverständ- lich macht. Aus diesem Grund wurde 1980 der 1800 Quadratkilometer umfas- sende Nationalpark Komodo gegründet. Unfälle mit Menschen kommen nur sel- ten vor, doch anderswo wären die Wara- ne ohne jeden Zweifel längst ausgerottet worden. Nicht so in Indonesien, was nicht allein am Wirtschafts- faktor Tourismus liegt, wie uns Theo beim abschlie- ßenden Interview am Steg glaubhaft macht: „Wenn das so wäre, dann hätten sie wohl kaum die letzten zwei Jahrhunderte über- lebt“, sagt er kopfschüt- telnd. Schließlich seien sie alle in dieser Zeit gekom- men und wieder gegangen: die Kolonialisten, einheimi- sche Siedler und auch die Fischer. „Die Drachen aber waren lange vor den ersten Menschen da und sollen darum auch bleiben. Hier im Nationalpark sind wir die Gäste.“ T O P 71 ■ R E I S E

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